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Gespräche
„Gibt es etwas Schöneres als Babys?“ frage ich meine Schwägerin, Mutter von 4 Kindern zwischen 2 und 13 Jahren. „Wenn ich mir vorstelle eines Tages kein Baby mehr zu haben könnte ich weinen!“ Ich sehe verzückt auf meine 2 Monate alte Tochter. Meine Schwägerin lacht: „Sie ist doch gerade erst da! Warte doch mal ab!“ Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich dieses Gefühl mal ändert. Gibt es Schöneres als sich um diesen kleinen Wurm zu kümmern. Ihn zu baden, anzuziehen, Lieder zu singen oder sich mit ihm zu unterhalten.
Nun gut, zur Zeit bestreite ich die Unterhaltung noch alleine: „Ja wo ist denn mein kleiner Schatz? Da ist mein kleiner Schatz!“ Was fand ich diese jungen Mütter früher peinlich. Nun gehöre ich dazu und es gibt nichts Besseres.
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„...leider fehlt ihm der Verstand!“ Wir hören eine Kassette mit Liedern aus Zeichentrickfilmen und kommen in den Genuß des Duetts von Kleopatra mit ihrem Löwen. Mein kleines Baby ist 3 Jahre alt und trägt nun schon kräftig zur Unterhaltung bei. „Mama, was ist Verstand?“ fragt mich meine Tochter. Tja, Verstand, schwer zu erklären. Aber ich habe mir mal vorgenommen, keine Frage unbeantwortet zu lassen, also frisch ans Werk: „Verstand ist das, was man braucht um ein Puzzle zu lösen. Das ist im Kopf, womit man nachdenkt!“ Katharina speichert es ab. Derjenige, dem der Verstand fehlt, ist Kleopatras Löwe. „Aber singen kann er!“ überlegt sie. „Ja, aber nur lalalala,“ sage ich. „Was ist lalalala?“ „Ach, das singt man, wenn man den Text vergessen hat.“ Diese Antwort war ein Fehler, denn: „Mama, was ist ein Text?“ „Die Wörter und Sätze in einem Lied. Wenn ich die nicht weiß, singe ich lalala.“ Scheinbar war die Antwort ausreichend, denn als ich meine Erklärungen am Beispiel von „Hänschen-Klein“ demonstriere, gehen ihre Gedanken schon wieder in eine andere Richtung: „Mama, schneidest du mir die Füße?“ „Bitte?!“ ich unterbreche meine Hänschen-Klein-Darbietung. Sie zeigt auf die Zehennägel:“ Wie heißt das, was du mir an den Füßen schneidest?“
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Mein Mann hat einen Termin zur Sterilisation gemacht. Wir wollten 2 Kinder, wir haben 2 Kinder. Die Verhütung sollte jetzt auf hohem Niveau stattfinden und uns optimale Sicherheit geben und so haben wir uns für die Sterilisation entschieden. Irgendwie haben die Kinder das mitbekommen und eines Mittags nach der Schule fragt Katharina: „Warum lässt Papa sich kastrieren?“ Ich zucke zusammen und korrigiere schnell: „Sterilisieren, Katharina, sterilisieren!“ Der wesentliche Unterschied ist schnell erklärt: „ Nach der Sterilisation kann man keine Kinder mehr zeugen, nach der Kastration kann und will man nicht mehr!“
Katharina will mehr wissen: Aber wozu macht der Papa das? Ihr macht es doch eh nicht mehr.“ Ich bin etwas irritiert: Was machen wir nicht mehr?“ „Na, Sex!“ „ Wie kommst du darauf, dass wir es nicht mehr machen?“ “Naja, immer wenn ich nach einem Alptraum zu euch ins Schlafzimmer komme, liegt ihr brav jeder in seinem Bett!†Ich muss lachen:“ Gott sei dank bekommst du nicht allzu oft Alpträume!“
Katharina ist mittlerweile 10 Jahre alt und die Themen unserer Unterhaltung hat sich in den letzten Jahren doch ganz schön gewandelt. Und da ich immer noch keine Frage unbeantwortet lasse, haben wir schon manche interessante Unterhaltung geführt. Meist beim Mittagessen. Da sind alle da, da hat man Zeit und Muße. Eines mittags war es mal wieder soweit. Katharina hatte in der Zeitung einen Bericht über Aids gelesen und noch einige Fragen dazu. Ich nutzte die Gunst der Stunde, die Aufklärung wieder um einige Passagen voranzutreiben und sprach mit beiden über Verhütung und wie wichtig es ist Kondome zu benutzen. Katharina hörte interessiert zu. Christoph wirkte eher gelangweilt und so sagte ich zu ihm: „Das betrifft auch dich. Ein Junge sollte sich bei der Verhütung auch nicht nur auf das Mädchen verlassen. Du kannst zwar nicht schwanger werden, aber krank werden kannst du auch.“ Worauf Christoph nur meinte: „Ich will das eh noch nicht machen!“
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Mittlerweile ist Katharina 14 Jahre. In den letzten Jahren wurden Themen wie „Selbstbefriedigung“, „Lieblingsstellung“, „Zungenkuss“, „erster Geschlechtsverkehr“, aber auch „erster Samenerguß“ behandelt.
Welche Themen Katharina sich schon praktisch erarbeitet hat, weiß ich nicht sicher, habe aber so meine Vermutungen. Und auch Christoph ist lange nicht mehr so uninteressiert wie vor 4 Jahren, doch Fragen kommen von ihm immer noch selten. Er hört einfach bei unseren Gesprächen zu.
Make up und Haartönungen hielten in Katharinas Welt Einzug und gelegentlich werde ich mit dem Satz: „Wir müssen mal wieder ein Frauengespräch führen.“ in ihr Zimmer gebeten.
Erste Freundschaften gingen in die Brüche und aus meinem Baby wird langsam eine junge Frau.
Doch entgegen meiner Erwartungen vermisse ich das Baby nicht, sondern genieße die Gespräche mit einer jungen Dame!
(c) Anette 2002
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