Frühstück
 

Sonntag morgen, 7.00 Uhr: „Mama! Mama!“ Langsam, doch unerbittlich dringt der Ruf in meine Träume. Eben noch lag ich mit einem Traummann und einer Traumfigur an einem Traumstrand auf Hawaii.  Ich seufze. Wie gerne würde ich mich rumdrehen und noch ein bischen dösen. Doch das „Mama, Mama!“ wird langsam ungeduldig.
Ich stehe auf. Ich bin wieder ein wenig übergewichtig und stehe im Schlafzimmer eines kleinen Reihenhauses in einer unauffälligen Kleinstadt, weit weg von irgendwelchen paradiesischen Stränden.
Noch ein letzter Seufzer und ab ins Kinderzimmer. Dort werde ich mit einem strahlenden „Auf!“ begrüßt. Und während ich  meinem Sohn eine frische Hose mache, schicke ich ein paar letzte Gedanken Richtung Hawaii.
„Mama, ich hab’ Hunger!“ Meine Tochter steht neben mir und reißt mich aus meinen Gedanken. „Schmeißt den Papa aus dem Bett, dann gehen wir runter!“ Was weder ich noch ein Hurrican schaffen, schaffen zwei Kleinkinder mit links. Mein Mann steht auf...und 15 Minuten später sitzen wir alle am Frühstückstisch.
Ich liebe das Frühstück. Kaffee, knusprige Brötchen, Frühstücksei. In Ruhe und Frieden den Tag beginnen.
Etwas anders sieht das aus, wenn Kinder mitfrühstücken. „Kakao, Kakao, Kakao...“ wir sitzen alle am Tisch  „...Kakao, Kakao, Kakao!“ tönt es bis die Tassen voll sind. „ Ich krieg mein Brötchen nicht auf.“ beschwert sich Katharina. „Mama, Mama, Mama!“ ruft Christoph bis ich das Brötchen für Katharina aufgeschnitten habe und ich ihm meine volle Aufmerksamkeit schenke. „Brötchen? Wurst?“ fragt er mich, was eigentlich keine Frage ist, sondern eine Aufforderung. Während ich ihm sein Brötchen fertig mache, puhlt Katharina das Innere aus ihrem heraus und dreht es zu kleinen Kugel  ein besonderer Leckerbissen. Als sie dann das Brötchen schmiert, klaut Christoph eine dieser Kugel.Geschrei! Und noch bevor ich meinen ersten Schluck Kaffee getrunken habe, wird meine Tasse bei dem Versuch, die Brötchenkugel zurückzuerobern, umgestoßen.
„Jetzt ist Schluß! Setzt euch hin und frühstückt ordentlich!“ schimpfe ich, während ich den Kaffe aufwische. Unter den strengen Blicken von Vater und Mutter stopfen sie ihr Frühstück in sich herein  und sind sofort verschwunden.
Ich mache mir keine Gedanken, wo sie sind oder was sie tun, sondern genieße die Ruhe.
Mein Mann isst im Gegensatz zu mir  gerne Schwarzbrot auf’s Brötchen. „Wo ist das Schwarzbrot?“ fragt er. Da Schwarzbrot auf meiner Liste „ Was auf einen gut gedeckten Frühstückstisch gehört“ ganz unten steht, liegt es vermutlich noch im Kühlschrank. Da liegt es schon ziemlich lange, weil wir nur am Wochenende so ausgiebig frühstücken. „Es sieht aus, als wolle es schimmeln, könne aber nicht, weil es im Kühlschrank liegt.“ ist sein Kommentar dazu. Die Ränder der Brotscheiben biegen sich nach oben. Mein Mann meint, es sei nicht mehr das frischeste, aber durchaus noch essbar. Ich zucke mit den Schulter und beiße in mein frisches Brötchen.
Meine 2. Tasse Kaffe ist mittlerweile kalt. Aber ich mag sowieso nicht gerne Kaffee, er gehört eben nur zum Frühstück dazu. Mein Mann, schon bei der 3. Tasse, fragt: „Noch ‚ne Tasse Kaffee?“ Ich schüttel den Kopf: „ Meine  Tasse ist noch voll!“ „Ich frage mich,“ meint mein Mann „warum du überhaupt Kaffee nimmst. Entweder die Kinder kippen ihn um, oder du schüttest ihn weg, weil er kalt ist. Vielleicht sollten wir deinen Kaffee sofort wegschütten...erspart Zeit und Arbeit!“
Ich ginse. Es stimmt, an Kaffee liegt mir nichts, aber frühstücken ist schon was ganz besonderes!

© Shari 2000