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Beim ersten Fleck tut’s noch weh
Nach einem Stadtbummel komme ich bester Laune nach Hause. Ich habe eine Bluse gefunden, leichter Stoff, so gut wie knitterfrei in einem hellen Apricot-Ton, so, wie ich sie schon immer gesucht habe. Das selbe gilt für die Hose, Baumwolle mit Kunstfaserbeimischung in hellem beige. Zu Hause probiere ich es als erstes noch mal an. Sieht es immer noch so gut aus, wie in der Boutique, wo ich es gefunden habe? Ja! Toll.
Da umklammern mich von Hinten zwei kleine Arme in Höhe meines Oberschenkels. „Hallo Mama...Oma war mit uns Eis Essen!“
Wie von der Tarantel gestochen springe ich aus der Umarmung und sehe an mir hinunter: Klar, Schokoladeneis! Die Reste befinden sich auf meiner tollen neuen Hose. Ich versuche gar nicht erst, den Flecken herauszuwaschen. Aus Erfahrung weiß ich: man sieht es und der Fleck wird immer größer. Mit einer Träne im Augenwinkel bringe ich die Hose persönlich in den Waschkeller und lege sie mit einigen ausgesuchten Modellen, die keine Farbübertragung erwarten lassen, in die Waschmaschine.
2 Tage später erwischt es die Hose beim Mittagessen. Der Kampf um die Nudelsoße endet auf meinem Schoß. „Verdammt noch mal, könnt ihr nicht mal mit dem dauernden Gezänk aufhören!“ Ich leide mit und wegen meiner Hose. Und wieder landet die betrauerte in der Waschmaschine.
Beim dritten Treffer auf meiner Hose sage ich schon gar nichts mehr und ziehe sie einfach wortlos aus. Sie landet im Wäschekorb und muss mit ihren Genossen auf den nächsten Waschtag warten.
Ich ziehe eine Jeans an, auf der weder das Schokoladeneis noch die Tomatensoße aufgefallen wäre und beschließe meine neue Hose für ganz besondere Tage aufzuheben.
In einem Haushalt mit Kindern – und dabei ist es egal in welcher Altersstufe die sich befinden – ist eine helle Hose dazu verdammt, ihr Leben im Waschkeller zu fristen. Der erste Fleck tut noch weh, mit jedem weiteren wird es einfacher. Entweder ich gewöhne mich daran, Hosen mit Flecken anzuziehen oder ich werde aus meinen Jeans erst rauskommen, wenn die Kinder das Haus verlassen haben. Aus gut unterrichteter Quelle weiß ich allerdings, dass dieses Glück nur von kurzer Dauer ist und man bei der Ankunft der Enkel wieder die Jeans nach vorne in den Kleiderschrank holen kann.
(c) Anette 2000
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